Identitätsdiebstahl – wie gehen Kriminelle vor und wie kann ich mich schützen?

Mit der zunehmen Nutzung des Internets, sowie der häufig leichtsinnigen Bereitschaft, immer mehr von uns im Netz Preis zu geben, steigen die Fälle von Identitätsdiebstahl. Immer mehr Kriminelle nutzen die häufig schlecht geschützten persönlichen Daten, um daraus vor allem finanziellen Nutzen zu ziehen. Aber auch, um Menschen in Misskredit zu bringen, wird immer häufiger Missbrauch persönlicher Daten begangen. Hier zeigen wir auf, wie man sich vor Identitätsdiebstahl schützen kann, und was man dagegen tun kann, wenn man bereits Opfer ist.

Arten von Identitätsdiebstahl

Die Kreativität von Cyberkriminellen ist erstaunlich, wenn es darum geht, Nutzen aus fremden persönlichen Daten zu ziehen. Im Allgemeinen sind vier Varianten von Identitätsdiebstahl im Internet am weitesten verbreitet:

Fake Profile

Wohl am häufigsten kommen Fake-Profile in sozialen Netzwerken, oder per falscher Email-Adresse vor. Diese Art von Identitätsdiebstahl verursacht zwar meist keinen kriminellen Schaden, kann aber dennoch sehr unangenehm sein. Denn so mancher Versuch, jemanden in Misskredit zu bringen, wird auf diese Weise vollzogen. Auch, um etwa andere Seiten durch gefälschte Profile zu mehr Followern und Likes zu verhelfen, wird Identitätsdiebstahl immer häufiger angewendet. Die Kriminellen sind in den meisten Fällen im selben sozialen Netzwerk, wie beispielsweise auf Instagram oder Facebook aktiv. Dadurch sind Sie in der Lage, ihre Fotos und Informationen zu stehlen, um Sie für ein gefälschtes Profil zu verwenden. Ist das Fake-Profil erst einmal erstellt, kann dieses dafür missbraucht werden, um beispielsweise andere in ihrem Namen zu beleidigen. Besonders schwere Fälle wären beispielsweise die Vortäuschung, Sie würden andere Menschen bedrohen.

Profilübernahme

Auch dass Profile in sozialen Netzwerken von Unbefugten übernommen werden, kommt immer wieder vor. Vor allem Fälle von bekannten Persönlichkeiten und populären Accounts tauchen immer wieder in den Medien auf. Für solche Angriffe sind meist Hacker verantwortlich, die versuchen, mithilfe von spezieller Software, zu einfache Passwörter zu knacken. Und so manchem Nutzer ist wohl auch schon passiert, dass jemand Fremder im eigenen Account gepostet hat, wenn man das Ausloggen vergessen hat.

Identitätsdiebstahl Dritter

Eine weitere Variante ist, dass jemand Sie im Namen eines Freundes oder Verwandten kontaktiert, und – wie zumeist – um Geld bittet. In diesem Falle wurde die Identität ihrer Bekannten gestohlen, um Sie zu betrügen. Diese Form von Identitätsdiebstahl ist auch als der „Enkeltrick“ bekannt.

Online-Shopping

Wenn Sie plötzlich eine Rechnung erhalten für etwas, dass Sie weder bestellt noch jemals erhalten haben, dann sind Sie wahrscheinlich ebenfalls Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Die Betrüger bedienen sich hierfür Ihrer Daten, erstellen unter ihrem Namen einen Account, und bestellen dort nach Herzenslust, wobei Sie selbstverständlich die Produkte nicht zu ihnen schicken, sondern selbst behalten. Die Rechnung sollen dann allerdings Sie bezahlen. Sehr ähnlich wird vorgegangen, wenn die Cyberkriminellen in den Besitz Ihrer Kreditkartendaten gekommen sind.

Wie bemerkt man Identitätsdiebstahl?

Im Falle von Fake Profilen fällt Betroffenen häufig lange Zeit nichts auf. Mitunter existieren Fake Profile über mehrere Jahre. Manche Profile sind so gut erstellt worden, dass die eigenen Freunde in beiden Accounts in den Freundeslisten, beziehungsweise als Follower gelistet sind. Manchmal können die Identitätsdiebe gar aus dem eigenen Freundeskreis kommen. Nicht selten fliegt der Betrug erst dann auf, wenn die Kriminellen entweder ihren Rachefeldzug starten, oder wenn andere Mitglieder des sozialen Netzwerks die Opfer auf das doppelte Profil aufmerksam machen.

Im Falle der Online-Shop-Betrüger ist es einfacher, die Situation zu bemerken: Spätestens dann, wenn man mit Zahlungsaufforderungen konfrontiert wird, oder wenn an gar einen Brief vom Inkasso-Büro erhält, ist klar, dass man betrogen wurde.

Gefälschte Emails mit Bitten um Geld für Freunde oder Verwandte werden häufig übersehen. Wenn die gefälschten E-Mails jedoch nicht im Spamordner laden, und glaubwürdig verfasst wurden, dann kann es schon passieren, dass man darauf herein fällt.

Wie schützt man sich effektiv?

In den heutigen Zeiten ist es besonders wichtig, dem Schutz der eigenen Daten besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dies beginnt bereits mit einfachen Maßnahmen, wie dass man sich stets ausloggt, wenn man in einem sozialen Netzwerk, oder in einem Online-Shop aktiv war. Vor allem, wenn man einen Computer nutzt, der öffentlich zugänglich ist, sollte man besonders darauf achten. Auch das Ändern der Passwörter sollte man regelmäßig vornehmen. Dabei ist es nicht zuletzt wichtig, ein möglichst kompliziertes Passwort zu verwenden, denn nicht selten gelangen Hacker durch Software an ihre Passwörter, die systematisch nach Accounts suchen, welche wegen zu einfachen Passwörtern am einfachsten zu knacken sind.

Weiters sollte Ihr PC eine aktuelle Anti-Virus-Software installiert haben, welche Sie auch vor Trojanern schützt. Dabei handelt es sich um Schadsoftware, anhand welcher ihre Daten ausspioniert werden können.

Weiters ist es natürlich wichtig, genau darauf zu achten, wo man seine persönlichen Daten preisgibt. Vor allem auch dann, wenn es um Bank- oder Kreditkartendaten geht. Checken Sie grundsätzlich immer genau, ob die Website, auf welcher Sie einen Einkauf tätigen möchten, auch tatsächlich authentisch ist. Es kommen immer wieder geklonte Online-Shops vor, die dem Original täuschend ähnlich sind.

Emails: Authentizität überprüfen

Im Falle von E-Mails, in welchen um Geld gebeten wird, ist es ratsam, diese Emails genau auf ihre Authentizität zu überprüfen. Falls Sie jemand per E-Mail, oder in Form einer Nachricht im Chat um Hilfe bittet, überprüfen Sie am besten über einen anderen Kommunikationskanal, ob die Person mit dieser Anfrage tatsächlich selbst an Sie herangetreten ist. Auch anhand der E-Mail-Adresse kann man meist rasch erkennen, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Wichtig: Klicken Sie bei fragwürdigen Emails außerdem niemals auf Links – denn diese können entweder Schadsoftware auf ihrem Rechner installieren, oder führen Sie möglicher Weise auf Websites, die versucht sind, Ihnen wertvolle Daten zu entlocken.

Eine weitere Schutzmaßnahme gegen Identitätsdiebstahl ist Anonymität. Es kann bei einer Neuanmeldung manchmal sinnvoll sein, wenn Sie nicht ihren echten Namen verwenden, sondern ein Pseudonym. Denn je weniger man Online über sie weiß, umso eher sind Sie vor Identitätsdiebstahl geschützt.

Auch die Art, wie Sie sich in sozialen Netzwerken verhalten, kann Datenmissbrauch verhindern. Wägen Sie gut ab, wem Sie Zugang zu sensiblen persönlichen Informationen gewähren. Dazu gehört insbesondere, keine Anfragen fremder Personen zu akzeptieren. In vielen sozialen Netzwerken können sie außerdem festlegen, ob sie ihre Daten öffentlich machen, oder nur ihren Freunden sichtbar machen.

Grundsätzlich gilt: je weniger man über Sie e weiß, umso besser sind sie vor Identitätsdiebstahl geschützt.

Was kann man als Opfer tun?

Wen sie bereits Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sind, ist es an der Zeit, schnell zu reagieren. Denn je länger der Daten-Missbrauch möglich ist, umso größer kann der Schaden für sie werden.
Soziale Netzwerke bieten meistens die Möglichkeit, Datenmissbrauch oder Fake Profile unkompliziert zu melden. Tun sie dies unverzüglich, und folgen sie den Anweisungen, um ihre korrekte Identität nachzuweisen.
Wenn jemand in ihrem Namen in Online-Shops bestellt, kontaktieren sie unverzüglich die Betreiber des Shops. In diesem Fall sollten sie darüber hinaus unbedingt auch die Polizei informieren, und gegebenenfalls, sofern ein konkreter Tatbestand besteht, Anzeige erstatten. Auch ihre Bankkonten und Kreditkartenauszüge sollten sie in diesem Fall unverzüglich kontrollieren, und Buchungen, welche sie nicht selbst getätigt haben, sofort bei ihrem Bankinstitut, beziehungsweise beim Kreditkartenbetreiber reklamieren.

Insgesamt ist klar: Identitätsdiebstahl ist ein Problem, welches wohl in den nächsten Jahren weiter deutlich zunehmen wird. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, genauer auf ihre persönlichen Daten zu achten. Denn Kriminelle suchen sich prinzipiell immer jene Opfer aus, die am leichtesten zu betrügen sind.

 

 

 

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